· 

Transite - ein astrologisches Werkzeug zur Bestimmung der Lebensaufgaben

Der Lebensplan abgebildet im Horoskop

Meine Lebenserfahrung, ebenso die Erfahrungen, die ich beim Deuten von Horoskopen gemacht habe, scheinen mir zu bestätigen, wovon spirituelle Menschen und in die Mysterien des Menschseins Eingeweihte berichten, dass jede Seele, die inkarniert wurde, etwas Bestimmtes mit einem bestimmten Menschen oder einem bestimmten Typus von Mensch zu lernen hat. Um diese dafür notwendigen Erfahrungen machen zu können, die die Seele vor der Wiedergeburt für sich geplant hat, sucht sie sich den Zeitpunkt der Inkarnation selbst aus. Jeder Einzelne von uns ist dementsprechend mit einem bestimmten Lebensplan (persönliche Anlagen, Chancen und Schicksal) zur Welt gekommen - und dieser Lebensplan hat demnach die Prägung des Zeitpunktes, an dem wir geboren worden sind.

 

 

Wenn demnach jemand bspw. am 08.04.1989, um 09:42 Uhr in Herne, Nordrhein-Westfalen geboren wurde, weist diese Person eine besondere Stellung der Planeten und sensitiven Punkte (Aszendent, Medium Coeli, vorgeburtlicher Neumond, etc.) im Horoskop auf. Da die Wahrscheinlichkeit dabei sehr gering ist, dass zu diesem Zeitpunkt an dem gleichen Ort jemand anderes geboren wurde, dürfte jedes erstellte Horoskop eines Menschen etwas Einzigartiges sein. Selbst Zwillinge werden nacheinander geboren und weisen bei der Geburt einen Unterschied von mehreren Minuten auf. In diesen Minuten können sich gewiss die Planeten nicht so schnell bewegen, selbst der Mond nicht, der nur rund 28 Tage für eine Umkreisung der Erde und damit für einen Durchlauf des Geburtshoroskops (Radix) benötigt. Allerdings verändern sich die Tierkreiszeichen in den Häusern, die bspw. die 1. Häuserspitze, den Punkt des Aszendenten (AC), alle zwei Stunden passieren.

Selbst bei sogenannten “Astrologischen Zwillingen”, die zur gleichen Zeit geboren wurden, können und werden mit aller Wahrscheinlichkeit nach, jeweils eine andere Persönlichkeit mit unterschiedlichen Lebensaufgaben haben. Die Erfahrungen, die jeder von den beiden erleben, werden zwar möglicherweise von denselben Planeten angezeigt, ein unterschiedlicher Entwicklungsstand des einen Zwilling lässt die Qualität aber unterschiedlich sein und können sich daher von den Erfahrungen des anderen Zwillings im Ausdruck gänzlich unterscheiden.

 

Das Horoskop, das, wie erwähnt, anhand eines bestimmten Zeitpunktes erstellt wird, kann demnach einen symbolischen Blick in den einzigartigen Lebensplan und die einzigartige Seele des Menschen ermöglichen. Dabei ist es ebenso möglich, neben dem Radix eines Tieres, ein Horoskop bezüglich eines Ereignisses, wie ein Hausbau, eine Ausbildung oder eine Beziehung, zu erstellen. Der Blick in das Horoskop bspw. einer Reise kann anzeigen, wodurch die Reise geprägt sein wird und worauf man sich bei ihr einstellen kann. Diese Art der Astrologie und Horoskopdeutung werden “Elektionen” (lat. eligere = auswählen) genannt und ist mit der Stundenastrologie verwandt. Darauf möchte ich hier aber nicht weiter eingehen, da ich doch zum einen meinen Schwerpunkt bei der Horoskopdeutung von Personen sehe, und zum anderen ist es für die nähere Darstellung von Transiten auch nicht weiter nötig.

 

Transite - die sich weiter bewegenden Planeten

Nun zu den Transiten: Da das Horoskop aber nur eine Momentaufnahme ist, in der die Zeit “eingefroren” zu sein scheint und für die Erstellung des Radix “festgehalten” wurde, bewegen sich die Planeten und die sensitiven Punkte natürlich weiter. Und die sich weiter bewegenden Planeten werden Transite genannt. Wenn man nun die Transite in Bezug zu einem Radix einer Person untersuchen möchte, ist es notwendig, ein neues Radix zu erstellen, nämlich des gewünschten Zeitpunktes. Dieses Radix wird dann auf das Geburtshoroskop einer Person “gelegt”. So werden die Planeten, in diesem Fall die Transite, Außen auf dem Kreis des Horoskops der Person eingezeichnet, um so die Verbindungen (Aspekte) zwischen den Transiten (einer bestimmten Zeit) und den Faktoren des Radix gut erkennen zu können (siehe Bild unten!).

 

Die sich weiter bewegenden Faktoren (Transite), wie die Planeten und die sensitiven Punkte, weisen im Vergleich zu den “eingefroreren” Planeten, etc. veränderte Positionen in dem Geburtshoroskop der Person auf, wodurch neue oder andere Verbindungen untereinander (Konjunktionen, Quadrate, Oppositionen, etc.) entstehen.

Wenn also bspw. der Merkur im Geburtshoroskop von Frau X im Tierkreiszeichen Schütze im 11. Haus bei der Horoskoperstellung dort zur “Ruhe” gekommen ist und “festgehalten” wurde, dann bleibt der Merkur in Wirklichkeit nicht stehen, sondern er läuft gegen den Uhrzeigersinn weiter, von Grad zu Grad zum nächsten Tierkreiszeichen, in diesem Fall, Steinbock und in das 12. Haus, usw. und berührt dabei andere Faktoren des Horoskops.

Wenn dieser Merkur im “ruhenden” Zustand eine Konjunktion (0° - 6° Abstand) zur Sonne in dem Radix bildet, so kann dieser beim nächsten Aspekt dem Sextil (60°) eine erhöhte Geschäftigkeit oder eine verstärkte Reiselust des Horoskopeigners im Leben anzeigen, der wir durch unsere innere Disposition und Persönlichkeit ausgesetzt sind.

Wenn wir uns allerdings auf größere und gewichtigere Erfahrungen gemäß unserer seelischen Entwicklung einstimmen oder ihnen ausgesetzt sind, kann ein sogenannter Langsamläufer des Horoskops, wie bspw. Saturn (oder Uranus, Pluto,...), der über einen unserer Radixfaktoren und -planeten läuft, dies sichtbar machen. Da die Planetenbewegungen und -stände für jede relevante Zeit unseres Daseins auf der Erde errechnet werden können, können uns diese Transite, bevor wir die entsprechenden Erfahrungen im jeweiligen Lebensbereich und mit entsprechender Qualität im Laufe der Zeit machen, dies schon vorher symbolisch, und damit das entsprechende Thema der Entwicklungsaufgabe, anzeigen.

 

Es ist dabei besonders zu erwähnen, dass kein Transit irgendeines Planeten im Universum, welches das Radix abbildet, irgendein Verhalten bewirkt! Die Planeten haben keinen Einfluss auf unser Leben! Sie zeigen lediglich an, womit wir uns gerade beschäftigen (werden oder sollen) und welche Aufgaben sich für uns daraus ergeben. Die Prozesse laufen nicht kausal (Ursache und Wirkung), sondern synchron ab, wie dies C. G. Jung mit seiner beschriebenen Synchronizität und den Archetypen uns wunderbar nähergebracht hat.

 

Radix (Horoskop) mit Außen eingezeichneten Planeten, sogenannte Transite.
Radix (Horoskop) mit Außen eingezeichneten Planeten, sogenannte Transite.

Beispiele für Transite

Wenn wir uns nun ein Horoskop und dessen Transite, speziell den Neptun anschauen, und dieser, sagen wir, über die Sonne, die sich in dem Tierkreiszeichen Fische befindet, einer Person (eines Horoskopeigners) “läuft” (was bei Neptun mehrere Jahre dauern kann), können in dieser längeren Phase, sich die Bedürfnisse des Egos und des eigenen Willens, wofür unter anderem die Sonne steht, zurückgehen. So können entsprechende Ereignisse im Leben, diesen Horoskopeigner zu mehr Mitgefühl und einer höheren Intuition verhelfen und ihm damit ein einfühlsameres Verhalten ermöglichen, dass andere Menschen stärker in den eigenen Sichtweisen sowie im Handeln mit einschließt.

 

Der amerikanische Astrologe Robert Hand hat diesen Transit sehr schön auf den Punkt gebracht: “Je mehr die Bedürfnisse des Egos verstummen, desto deutlicher wird die leise innere Stimme, die in jedem Menschen spricht.” (Robert Hand - Das Buch der Transite: Lebenszyklen erkennen und nutzen, Kailash, Heinrich Hugendubel Verlag, München 1984, 7. Auflage 1994, S. 496)

 

Diese Ereignisse, die bestimmte Prozesse in Gang setzen, können unser Denken und Fühlen dahingehend verändern bzw. dafür sensibilisieren, dass wir mehr Mitgefühl für unsere Mitmenschen und auch für Situationen entwickeln können. Dadurch kann eine stärkere Transzendenz erlebt werden, die wiederum zu einer höheren Intuition führt. Die Intensität der Erfahrung hängt dabei vom Horoskopeigner selbst ab und davon, wie er schon im Vorfeld seine eigentliche Bestimmung seiner Sonne im Radix zu leben, nachgekommen ist.

Ein über die Radix-Sonne transitierender Neptun kann so eine erhöhte Offenheit einer Person gegenüber seinen Mitmenschen anzeigen, die ihn zunehmend, durch die entsprechenden Erfahrungen, die Allliebe des Neptuns annähernd spüren lässt.

 

Transitiert bspw. der Saturn den Mars im Radix eines Horoskopeigners kann bei ihm das Gefühl entstehen, dass sein Handeln gebremst und er “ständig” mit vielen Hindernissen konfrontiert wird. Nun besteht die Aufgabe, sich bremsen zu lassen und seine Energie und Kraft für eine oder für nur sehr wenige Aufgabe zu bündeln und daran konzentriert zu arbeiten. Wenn aber jemand die möglichen Hinweise (des Schicksals) und ebenso das Gefühl ignoriert, sich nun etwas zurücknehmen zu müssen, kann diese Phase im Leben als sehr belastend erlebt werden. Denn dann kann er immer wieder vom Leben unfreiwillig gebremst werden. Weitere Verbindungen des Planeten im Transit zu anderen Faktoren des Geburtshoroskops zeigen dabei noch andere Persönlichkeits- und Lebensbereiche des jeweiligen Horoskopeigners an, die betroffen sein können.

Die notwendige Bewältigung mancher Aufgaben, die bestimmte Lebensereignisse einfordern, wie eben bspw. sich beim Handeln begrenzen zu lassen und damit der Hinwendung zu einer stärkeren Konzentrierung der eigenen Durchsetzung und Willensstärke, kann als ein sinnhaftes Geschehen betrachtet werden. Denn diese zu bewältigenden Aufgaben können einem die Erfüllung seines Lebensplanes und gleichbedeutend dem Erreichen seines Entwicklungsziels ein Stück näher bringen.

 

Die Bedeutung von Transiten

Mit dieser Möglichkeit der Sichtbarmachung oder Verdeutlichung der anstehenden Lebensaufgaben machen die Berechnungen und Deutungen der Transite mit zum wichtigsten Werkzeug, um sich die vergangenen, gegenwärtigen oder zukünftigen Lebensaufgaben anschauen und einen Hinweis darauf bekommen zu können, was zu einer bestimmten Zeit als Aufgabe bestand oder noch anstehen wird. Das Wissen um diese Aufgaben kann dabei die anstehenden Lernaufgaben nicht verhindern, die konkreten Ereignisse können dabei auch nicht vorausgesehen werden, was auch nicht sinnvoll oder förderlich wäre, da ein Lernprozess und eine Entwicklung dann in der nötigen Intensität auch nicht mehr möglich wäre. Es ist aber möglich, den Lebensbereich und die Qualität der Erfahrung näher zu bestimmen, wie die obigen Beispiele es ein wenig verdeutlichen sollten. So kann es hilfreich sein, zu wissen, worum es in einer schwierigen Phase geht und was gelernt werden darf, um die wichtigen Schritte zu antizipieren, und sich so auf die anstehenden Entwicklungsaufgaben einstellen und diese vielleicht auch bewusster machen zu können.

 

Ich hoffe, es ist mir nun gelungen, die Transite als Instrument der Astrologie für das Verdeutlichen der Entwicklungsaufgaben darzustellen und Ihnen so vielleicht diese wunderbare Methode ein wenig näher zu bringen.

 

Herzlichst!

Michael Bitter

Kommentar schreiben

Kommentare: 0