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Verlustangst - Die Angst, die toxische Beziehungen entstehen lässt

Mein Artikel „Ängste verstehen und auflösen!“ behandelt verschiedene Ängste mit den dahinterstehenden verdrängten Themen und Werten. Dabei hatte ich einen möglichen Weg aufgezeigt, wie man diese auflösen kann.

 

Die verschiedenen Ängste hatte ich dabei so ausführlich und umfangreich behandelt und gedeutet, wie ich es für die Angst und das dahinterstehende Thema als sinnvoll erachtet hatte. Daraufhin bekam eine der dort besprochenen Ängste, die Verlustangst im Rahmen meiner beraterischen Tätigkeit einen höheren Stellenwert, sodass ich dadurch die Möglichkeit bekam, diese auf einer tieferen und umfassenderen Ebene zu erfahren. In diesem hier nun dafür geschaffenen Rahmen möchte ich näher darauf eingehen und meine Erkenntnisse, die mir eine umfangreichere Betrachtung dieser ermöglichte, darstellen.

 

Wie ich schon in der ersten Besprechung der Verlustangst in meinem Artikel angedeutet hatte, geht es vor allem darum, die emotionale Tiefe und Hingabe innerhalb einer Beziehung auszuloten und dabei der entsprechenden Energie von Venus-Pluto gerecht zu werden. Venus-Pluto in Bezug zur Verlustangst kann aber zunächst, wie ich dies in meinem Artikel beschrieben hatte, auf unerlöste Art und Weise, wie bspw. durch Kontrollzwängen und Manipulationsversuchen der Partnerin oder des Partners, gelebt werden. Insbesondere bei entsprechender Besetzung des 8. Hauses oder dem dazugehörigen Tierkreiszeichen Skorpion sowie der Herrscher Pluto können dabei eine starke Neigung zur Abhängigkeit an eine Partnerin/Partner, die bis zur Selbstaufgabe oder gar bis zur Selbstzerstörung reichen kann, verdeutlichen. So hatte ich den Schwerpunkt auf die Beziehung (Waage-Venus) sowie auf die starke Bindung (Pluto) an einen Partner (Waage-Venus) gelegt.

 

Bei der weiteren und tiefer gehenden Beschäftigung mit dieser Angst fiel mir zunehmend auf, dass bei der Verlustangst auch weitere Begleiterscheinungen von Bedeutung sein können und bestimmte psychische Konstitutionen vorliegen müssen, die erst eine Verlustangst ermöglichen. Dabei geht es vor allem um seelische Abhängigkeit, die die tieferen Bereiche der Gefühle und des seelischen Erlebens berühren sowie um fehlende oder verdrängte Werte, die wiederum das Gefühl der Minderwertigkeit anzeigen können. Ich würde bei den Minderwertigkeitsgefühlen aber weniger von einem ursächlichen Geschehen ausgehen, wie es manche Fachliteratur und Ratgeber andeuten, sondern diese eher als Parallel- oder wie eben schon eingangs erwähnt als Begleiterscheinung betrachten. Selbst wenn beide Gefühle, die Verlustangst und das Minderwertigkeitsgefühl dabei gleichzeitig aufträten und korrelierten, wovon ich ebenfalls ausgehe, würde ich daraus keinen kausalen Zusammenhang herstellen wollen. Denn bei einer Person kann ein Minderwertigkeitsgefühl bestehen, ohne dass sich daraus zwangsläufig eine Verlustangst entwickelte. Aus der Annahme der Kausalität ergäbe sich aus meiner Sicht auch kein zusätzlicher psychotherapeutischer Gewinn oder Ansatz, um die Bearbeitung des Minderwertigkeitsgefühls oder gar eine vollständige Auflösung der Verlustangst zu erreichen. Dafür müssten die entsprechenden früheren Verlusterfahrungen sowie die Neigung zur emotionalen Abhängigkeit bearbeitet und aufgelöst werden. Es wäre jedoch sicherlich förderlich, die betroffene Person an ihrem Selbstwert arbeiten zu lassen, um die Neigung zur Abhängigkeit zu minimieren bzw. dieser entgegenzuwirken, aber ob dadurch eine gänzliche Auflösung dieser Angst möglich ist, mag ich zu bezweifeln.

 

Davon unabhängig habe ich die Deutung der Verlustangst um die beiden Bereiche der seelischen Abhängigkeit und damit um die Konstellation „Mond-Pluto“ mit Bezugnahme des Zeichens und des Hauses, die dafür stellvertretend stehen, sowie um das Minderwertigkeitsgefühl erweitert, wofür astrologisch u. a. die Konstellation “(Stier-)Venus-Saturn” steht, erweitert. Um ein stimmiges Bild über diese Angst zu erhalten, habe ich Gespräche mit Betroffenen geführt, wodurch ich mich auch von dieser Seite aus in das Thema einarbeiten und für mich vertiefen konnte. Zudem habe ich mir durch entsprechende Literatur und Internetseiten zu diesem Thema Fachwissen angeeignet, um auch andere Sichtweisen und ein gegenwärtiges Bild zu diesem Thema darüber zu erhalten. Die Quellen habe ich am Ende dieses Artikels aufgeführt.

 

Die Empfindung und das Erleben des Minderwertigkeitsgefühls habe ich schon in meinem Hauptartikel “Ängste verstehen und auflösen!” ausführlicher besprochen und werde ich daher an dieser Stelle nicht weiter behandeln.

In der nun folgenden Erörterung werde ich die Besprechung der Verlustangst dementsprechend durch die beiden genannten Begleiterscheinungen und Themen ergänzen und erweitern.

Meine erste Version der Deutung dieser Angst in meinem Artikel “Ängste verstehen und auflösen!” kann trotz dieser ausführlicheren Variante auch weiterhin für sich alleine stehen, da sie aus meiner Sicht einen guten Einblick darin ermöglicht, worum es dabei geht und wo der Schwerpunkt liegt. In den meisten “Fällen” jedoch wird dies zu kurz greifen, lässt es doch einige wichtige Aspekte der Persönlichkeit dabei außen vor, weswegen eine Auflösung oder Wandlung dessen unter diesem einen Gesichtspunkt nur bedingt, vielleicht auch gar nicht möglich ist. Denn gerade die genannten Begleiterscheinungen und Persönlichkeitsanteile können bei der Auflösung und der Wandlung der Verlustangst aber von immenser Bedeutung sein.

So kann davon ausgegangen werden, dass mehrere Persönlichkeitsanteile und damit die entsprechenden urprinzipiellen Energien bei der Verlustangst angesprochen sind, die zunächst einmal gar nicht oder auf unerlöste Art und Weise gelebt werden.

“Toxische Beziehungen” - und was dahinter steckt!

Bevor ich zu einem Beispiel komme, um dies plastischer darzustellen, möchte ich kurz inhaltlich auf das gerade sehr aktuelle Phänomen “toxische Beziehungen” eingehen und diese Form von Beziehungen näher zu erläutern versuchen. Dabei werde ich aber nicht in die Tiefe gehen und diese Form der Beziehung in dem Umfang beschreiben können, wie es sicherlich erforderlich wäre, um diesem Thema gerecht zu werden. Dies würde den Rahmen hier nicht nur sprengen, sondern auch meine inhaltliche Ausrichtung verschieben, geht es mir doch hierbei hauptsächlich um die Verlustangst, auch wenn diese ein Grund für toxische Beziehungen sein kann. So muss diese kurze Erläuterung für diesen Artikel ausreichend sein, um die Verlustangst bezogen auf die Partnerschaft aus dieser Sicht verstehen zu können. Wer mehr über dieses Thema erfahren möchte, denjenigen empfehle ich, die von mir am Ende aufgeführten Internetseiten zu besuchen.

 

 “Toxische Beziehungen” stellen Beziehungen zwischen zwei Menschen dar, die sich gegenseitig so stark belasten, dass sie anstatt Glück und Wohlbefinden überwiegend Konflikte und Unmut heraufbeschwören. Diese Form von Beziehungen ist meist durch Abhängigkeit geprägt, von der nur schwer eine Befreiung möglich ist.

Beispiel:

Ich versuche zunächst die Verlustangst und deren Ablauf, wie ich sie in der Beratung durch Gespräche erlebt habe, näher zu beschreiben und anschaulicher darzustellen. Verständlicherweise habe ich die Namen geändert, um die Privatsphäre der Personen zu schützen.

 

Person A, nennen wir sie Marlene hat sich in einen Mann, nennen wir ihn Sascha, verliebt. Dieser Mann ist allerdings für sie nur schwer oder gar nicht zu erreichen, da er verheiratet ist und drei Kinder hat, die ihn erfüllen. Darüber hinaus lebt er mit seiner Familie glücklich und zufrieden in einem Haus, das sie für sich gemeinschaftlich beschlossen haben, zu erwerben. Dieses Haus unterstreicht dabei das feste Fundament ihrer Familie und Liebesglück der Ehepartner zueinander, welches sie schon durch die Heirat Ausdruck verliehen und zusätzlich gefestigt haben.

Dass Marlene für Sascha ein Ausdruck der doch nicht so friedvollen Hingabe Saschas an seine Familie bedeuten und eine Sehnsucht ausdrücken kann, seine Bedürfnisse auch außerhalb der Familie erfüllt zu sehen, lassen wir dabei einmal außen vor. Zumal es auch davon abhängig ist, ob Sascha von den Avancen dieser Frau emotional betroffen ist, also auf diese anspricht oder diese gar nicht erst bemerkt. Wir gehen davon aus, dass die Liebe einseitig bei Marlene liegt.

 

Nun hat Marlene durch bestimmte Erfahrungen in ihren Leben (diesem oder wahrscheinlicher noch denen davor) die Angst entwickelt, dass der Partner sie verlässt oder dass eine Beziehung zu einer Person, in die sie sich verliebt hat, erst gar nicht entsteht. So treibt sie die Angst dazu, sich besonders stark an die Person, also an Sascha zu binden und seinen Erwartungen mit allen Mitteln gerecht zu werden. Ihr “ganzes Leben” drehte sich so für Marlene nur noch um Sascha, was sich derart auswirkte, dass sie ihre Arbeitszeit und ihre Freizeitgestaltung nach Saschas Tagesablauf ausrichtete, um die Möglichkeit zu erhöhen, ihn zu treffen und sehen zu können.

 

Dies ging dabei so weit, dass sie ihr Lebensglück und ihre Lebensfreude von ihm und von seinem Verhalten abhängig machte; sie wurde ihm zunehmend hörig, was ihr Verhalten ihm gegenüber deutlich veränderte. Darüber hinaus versuchte sie ihn zu manipulieren und ihn von sich dadurch abhängig zu machen, indem sie ihm mit aller Hingabe mit ihrem Aussehen und Verhalten zu gefallen versuchte.

 

Mögliches Verhalten eines Menschen mit einer Verlustangst in einer toxischen Beziehung

Menschen mit einer Verlustangst neigen eher dazu, für sich wahrgenommene unangenehme und destruktive Verhaltensweisen des Partner hinzunehmen und diese verklärter zu sehen und sich selbst dabei etwas vorzumachen, im Sinne von: “Er ist sonst ganz anders”, “er meint es nicht gar nicht so”, “er ist gerade gestresst” etc. Alles, was dazu dient, dem Verlust des Partners zu verhindern, wird genutzt, und wenn dafür die eigene Wahrnehmung angepasst werden muss.

Bestimmung des Selbstwertes

Marlene war dabei, sich selbst aufzugeben. Je mehr aber sie sich selbst aufgab, desto wichtiger wurde Sascha für sie, was man auch umdrehen kann: Je wichtiger er für sie wurde und sie sich auf ihn einließ, desto weniger war sie dazu fähig, ihren eigenen Wert zu bestimmen und wahrzunehmen. Ich möchte dabei jedoch nicht konstatieren, dass sie, je mehr sie von ihm abhängig wurde, sie auch gleichzeitig sich weniger aufgefordert fühlte, an ihren eigenen Werten zu arbeiten und diese für sich zu bestimmen. Denn ich glaube gar eher anders herum, dass die Forderung der Seele eher noch zunimmt, seinen eigenen Wert zu bestimmen, je stärker die Abhängigkeit wird. Es fällt einem nur schwerer, dies auch wahrzunehmen, wenn man seinen Blick ganz im Außen auf eine Person gerichtet hat und damit man sich zu sehr in der Projektion beim anderen befindet.

 

Abhängigkeit zum Objekt der “vermeintlichen” Liebe des Lebens

Es dürfte daher für Marlene nicht so leicht möglich gewesen sein, sich aus dieser Situation oder aus der von der Person selbst genannten “toxischen” Beziehung zu lösen. Denn das hätte bedeutet, dass sie sich zu stark mit ihrem eigenen Minderwertigkeitsgefühl und ihrer Verlustangst hätte konfrontieren müssen. Hätte sich allerdings das Objekt ihrer Liebeszuschreibung (Sascha) von ihr gelöst, dann wäre die Gefahr groß gewesen, dass sie jemand anderes gesucht und/oder kennengelernt und sich damit ihr Muster, das von Abhängigkeit und Ängsten geprägt war, wiederholt hätte. Ich schreibe hierbei ganz bewusst “Objekt ihrer Liebeszuschreibung”, denn dadurch versuche ich deutlich zu machen, dass es dabei nicht zwangsläufig um Sascha ging, sondern um die Sehnsucht nach Anerkennung und Liebe, die nach Erfüllung “schrie”.

 

Weiterhin dürfte es wahrscheinlich genauso wenig helfen, sich mit anderen Dingen zu beschäftigen, um sich dadurch “abzulenken” und um ihn zu “vergessen”. Dies wäre generell auch nur schwer möglich, drängt die Seele nach Konfrontation und damit nach der Wandlung des Verlustgefühls.

 

Ihre Aufgabe ist es demnach, sich ganz dem Gefühl oder eher noch der Vorstellung von dem Gefühl der Liebe hinzugeben und sich über (nicht zwangsläufig mit!) diese Person damit auseinanderzusetzen. Es geht dabei darum, wie schon angedeutet, sich mit ihren Gefühlen zu konfrontieren, um letztlich zu erkennen, dass es nur die Vorstellung von der Liebe war, der sie nahezu zwanghaft erlegen war. Diese Vorstellung von der Liebe zu einem Partner oder zu einer Partnerin birgt die Gefahr, dass er oder sie nur dazu dient, die eigenen Erwartungen und Bedürfnisse erfüllt zu sehen, die sie selbst nicht zu erfüllen vermochte. Dabei sah sie Sascha nur als Objekt, der gewiss ihr Bild von ihrem bevorzugten Typ von Mann in irgendeiner Weise entsprach, letztendlich es ihr aber unmöglich machte, den Blick von ihren eigenen Bedürfnissen zu lösen und einen realistischen Bezug zu ihm und der Situation herzustellen.

Die verdrängten eigenen Werte, die eigenen Dämonen

Nur auf einer tiefen Ebene, wo sich ihre Vorstellungen von der Liebe befinden, die sie erfüllt sehen wollte in dieser eigenen “Schattenwelt”, wo sich eben ihre ganz eigenen Dämonen befinden, ist durch die Konfrontation mit ihnen ein Wandel und damit die Befreiung von der Verlustangst möglich. Es ist dabei auch fast unnötig zu sagen, dass erst durch die Nichterfüllung des Beziehungswunsches zu diesem Mann eine Konfrontation mit den eigenen Dämonen und damit mit der eigenen Angst und der darauf folgenden Befreiung oder besser dem Wandel der Verlustangst möglich ist. Denn sonst würde die Person aus der Angst heraus, den Partner zu verlieren, weiterhin zu Manipulation und Abhängigkeit neigen und sich so an ihn zu binden versuchen.

 

So besteht die Aufgabe darin, sich seiner Verlustangst gänzlich auszusetzen, seinen inneren und ganz eigenen Dämonen zu begegnen, die dabei entstehenden schmerzhaften Gefühle zu durchleben und sich mit ihnen auszusöhnen. Erst wenn dies geschieht, kann aus meiner Sicht die Verlustangst zunehmend gewandelt werden, wie es sich in der Beratung und Begleitung dieser Person sehr ausdrucksstark und außergewöhnlich gezeigt hat. Marlene, wie ich sie hierfür genannt habe, hat dadurch nicht nur ihre Stärke und Kraft bewiesen, mit der sie durch diese extrem belastende Situation gegangen war, sondern ebenso, dass sie nun bereit war, eine Beziehung zu führen, die weniger von Abhängigkeit und Manipulation geprägt ist.

 

Denn parallel dazu - dies ist hier besonders wichtig hervorzuheben! - vermag sie nun ebenso ihren eigenen Wert zu bestimmen und in der Beziehung auch für sich zu setzen und zu leben, ohne dabei dem anderen vor “dem Kopf zu stoßen” oder zu enttäuschen, wie sie früher stets dachte, wenn sie den Erwartungen von Sascha oder anderen Personen nicht entsprach.

Erst wenn sie ganz “bei sich selbst ist”, ihre eigenen Werte sieht, die sie ausmachen, kann sie sich von ihrem Gegenüber lösen und eine Beziehung führen, die nicht von Abhängigkeit oder Manipulation etc. geprägt ist!

Quelle: www.khm.at: Kunsthistorisches Museum Wien:  Peter Paul Rubens - Die Jagd des Meleager und der Atalante
Quelle: www.khm.at: Kunsthistorisches Museum Wien: Peter Paul Rubens - Die Jagd des Meleager und der Atalante

Verdeutlicht am Beispiel von Atalante und Hippomenes

In der griechischen Mythologie stellt die attraktive Jägerin Atalante dafür ein passendes Beispiel dar: Aufgrund erheblicher Verletzungen, die sie mit Männern bspw. mit ihrem Vater erlebt hat, weigerte sie sich, sich an einen Mann zu binden und ihre Unabhängigkeit aufzugeben. Dies ging gar so weit, dass sie, als sie von ihrem Vater dazu angehalten wurde, zu heiraten, dem zwar zu stimmte, aber mit der Bedingung, dass ein Mann sie im Wettlauf besiegen müsse, erst dann würde sie ihn heiraten. Wenn es einem Mann nicht gelänge, würde sie ihn töten. Da sie körperlich sehr stark war und bislang jeden Kampf gegen einen Mann für sich bestritt, ging sie davon aus, dass kein Mann sie je besiegen könne. So entstand dieser Wettbewerb, bei dem unzählige Männer ihr Leben ließen.

Dieser Mythos geht noch weiter und besagte, dass ein Mann (Hippomenes) von ihrer Kraft und Schönheit derart begeistert war, dass er sie unbedingt zur Frau wollte. Er wählte zunächst eine andere Strategie als die, die ihm mit dem Wettkampf möglich war, und suchte zu ihr den Kontakt auf friedvolle Weise. Da Atalante aber dennoch den Wettkampf von ihm forderte, wollte er sie für sich gewinnen und heiraten, bat er Aphrodite (römisch: Venus) um Hilfe und erhielt von ihr drei Äpfel, die er ihr während des Wettrennens auf den Weg vor ihre Füße fallen ließ. Dadurch, dass sie die Äpfel aufhob, ließ sie sich auf das Angebot von Hippomenes ein, weswegen er das Rennen für sich entscheiden konnte, ohne dabei aber Atalante zu besiegen. Sie wäre schneller gewesen, und nur durch das Angebot der Äpfel, das sie ergriff, indem sie sie eben aufhob, distanzierte sie sich vom Wettkampf. Sie wandte sich also ganz bewusst der Venus (Archetyp Weiblichkeit, Geliebte und Symbol für die Liebe, Sinnlichkeit und Genussfähigkeit) zu und überließ das Rennen und damit den Ausgang des Wettkampfs Hippomenes (Symbol/Archetyp für Männlichkeit, Geliebter, Wille und Trieb).

 

Quelle: www.artnet.com: Aphrodite reicht Hippomenes die drei Äpfel, mit deren Hilfe er später Atalante im Wettlauf besiegt
Quelle: www.artnet.com: Aphrodite reicht Hippomenes die drei Äpfel, mit deren Hilfe er später Atalante im Wettlauf besiegt

Sie ging die Beziehung mit Hippomenes ein, der wiederum ein selbstbewusster und unabhängiger Mann war. Weder Hippomenes wollte Atalante besiegen und sie in ihrem Wert zu schmälern, noch war es Atalantes Absicht, sich von ihm abhängig zu machen und ihren eigenen und den Wert ihres Mannes herabzusetzen.

Da sie die venusischen Attribute (Geliebte zu sein, sich der Liebe hinzugeben und sich auf das Gegenüber zu beziehen, zu wenig zu leben schien, halfen ihr sowohl Hippomenes ihre Liebe zu wecken als auch Aphrodite (Venus) die Äpfel sich der (ihrer) Liebe auch zuzuwenden.

 

 

Dieser Mythos zeigt sehr schön, wie ich finde, dass es in einer Partnerschaft nicht nur darum geht, seine eigenen Fähigkeiten zu entwickeln, die eigenen Werte zu leben und sich selbst treu zu sein, sondern dabei natürlich auch sich auf den Partner zu beziehen. Allerdings ist es dafür notwendig, um eine gleichwertige Partnerschaft zu führen, die Eigenständigkeit zu bewahren, sich der Liebe zuzuwenden und damit auch sich selbst mit all seinen Stärken und Schwächen zu akzeptieren und anzunehmen.

Zusammenfassung

Wie nun schon anhand der Einleitung und dem darauf folgenden Beispiel um Marlene und Sascha deutlich geworden sein dürfte, sehe ich bei dieser Angst drei Hauptthemen, die für die Person, die unter einer Verlustangst litt, von Bedeutung sind:

 

1. Minderwertigkeitsgefühl oder fehlende bzw. unbewusste eigene Werte [(Stier-)Venus-Saturn]

Siehe “Angst, den Erwartungen anderer nicht zu genügen” gedeutet nach den Prinzipien (Stier-)Venus-Saturn in meinem Artikel “Ängste verstehen und auflösen!”

 

2. Abhängigkeit/Hörigkeit vom anderen und/oder seiner/ihrer Werte (Waage-, Stier-Venus-Pluto)

Hierbei geht es vor allem um Hörigkeit und Abhängigkeit dem Anderen gegenüber.

 

3. Seelische Abhängigkeit (Mond-Pluto)

Die zwanghafte Vorstellung vom Leben und der Liebe, die einen nicht mehr am Leben mit allen Gefühlen teilhaben lässt.

 

Wenn man bei der Verlustangst von einem ursächlichen Geschehen ausgehen will (und wahrscheinlich auch muss, um seine Verlustangst zu verstehen), dann kann mit Bestimmtheit konstatiert werden, dass bei einer Verlustangst auch ein Verlust vorausgegangen sein muss. Dabei ist es aber zunächst einmal unerheblich, wann dieser stattgefunden hat, wichtiger ist dabei festzuhalten, dass der Verlust in der Phase, als er stattfand, nicht verarbeitet, sondern verdrängt wurde. Dieses Verlustgefühl und den damit einhergehenden Schmerz trägt die Seele dabei solange “mit sich herum”, bis der Mensch bereit ist, sich seinem Verlust mit all seinen noch so schmerzhaften Gefühlen zu stellen.

 

Der Betroffene wird daher immer wieder Situationen unbewusst herstellen oder eingehen, um für sich die Möglichkeit zu schaffen, sich mit seiner Angst konfrontieren zu können. Denn das Gefühl des Verlustes, wenn die Voraussetzungen (entsprechender Typ, emotionale Offenheit, …) stimmig sind, wird bei späteren Verlustsituationen wichtiger Menschen immer wieder ausgelöst werden, bis sie angenommen wurde.

 

Noch einmal: Sollte die Konfrontation allerdings nicht erfolgen, kann davon ausgegangen werden, dass die Seele sich solange Verlustsituationen aussetzt, bis die Person sich dieser stellt und den Schmerz zu ertragen und zu durchleben vermag. Erst dann ist es möglich, die Erfahrung des Verlustes verarbeitet und die Verlustangst transformiert werden und eine Befreiung von (alten) Abhängigkeiten und Vorstellungen stattfinden.

 

Kommen wir abschließend noch einmal auf die Beziehung oder Bindung von Marlene und Sascha zurück: 

Eine Loslösung für Marlene aus dieser “toxischen” Beziehung ist daher nur möglich, wenn sie die belastende Bindung zu ihm akzeptieren kann und sie innerhalb dieser ihr eigenes Glück zu finden vermag. Denn mit der Akzeptanz geht es für sie letztlich darum, ihren eigenen Anteil an der “toxischen” Bindung zu erkennen und damit ihren eigenen “toxischen” Bezug zu sich selbst aufzulösen. Erst dadurch können nach und nach die Verlustangst und die sich dahinter befindenden archetypischen Energien hinsichtlich des Minderwertigkeitsgefühls, der Hörigkeit/Abhängigkeit gegenüber der Partnerin, dem Partner sowie der seelischen Abhängigkeit und das entsprechende Potenzial freigesetzt und in Stärke gewandelt werden.

 

 

Somit besteht durch die Bearbeitung und Bewusstwerdung dessen die Möglichkeit, sich von seinen Ego-Ansprüchen zu lösen und sich selbst mit all seinen Stärken und Schwächen annehmen zu können. Nur dieser Weg der Selbstverwirklichung, der die Steigerung des Selbstwertgefühles impliziert, kann zu der Selbstliebe führen, die es ermöglicht, zu einem Menschen “ja” zu sagen und sich ihm ganz hinzugeben, ohne sich dabei selbst aufzugeben und in Abhängigkeit zu geraten.

Literaturliste

Anbei Literatur, die ich für dieses Thema inspirierend fand.

 

Peter Orban/Ingrid Zinnel/Thea Weller - Symbolon - Das Spiel der Erinnerungen - Zur Symbolik astrologischer Aspekte

 

Karl Kerényi - Die Mythologie der Griechen - Götter, Menschen & Heroen

Bei meiner Recherche im Internet gab es viele gute Ansätze zur Erklärung solcher Beziehungsformen mit Lösungsansätzen, die u. a. auf eine Stabilisierung der entsprechenden Persönlichkeit verweisen.

 

Für meinen Artikel fand ich die kürzeste und prägnanteste Erklärung in diesem Artikel: https://www.gala.de/lifestyle/liebe/was-ist-eine-toxische-beziehung--warnsignale-erkennen-und-richtig-handeln-22163732.html

 

Weitere gute Erklärungen und einen möglichen Umgang damit bietet, u. a. auch diese Seite:

https://www.swr3.de/aktuell/beziehungsshow/toxische-beziehung-erkennen-loslassen-beenden-oder-weiterkmpfen-100.html

Frau Tanja Grundmann, die vom “SWR3” in diesem Artikel zitiert wurde und ein von ihr entwickelter Fragenkatalog beinhaltet, scheint auf diesem Gebiet eine Spezialistin zu sein und kann ich daher empfehlen.

 

Darüber hinaus bedanke ich mich bei den vielen Menschen, mit denen ich Gespräche führen und aus denen ich Inspirationen für mich zu diesem Thema gewinnen konnte. Vor allem bedanke ich mich bei der Person, die mir dafür Pate stand und die mich am meisten dazu inspiriert hat, mich diesem Thema anzunehmen, darüber zu reflektieren und letztendlich darüber zu schreiben!

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